Das Wichtigste in Kürze
- Das Lastenheft beschreibt das 'Was' aus Kundensicht — das Pflichtenheft beschreibt das 'Wie' aus Dienstleistersicht.
- Die drei wichtigsten Säulen eines KI-Lastenhefts sind: Konkrete Use Cases & Zielgruppen, Datenquellen (Wissensbasis & RAG) sowie Datenschutz/Hosting-Anforderungen.
- Präzise Vorgaben zur Fehlertoleranz und zum 'Halluzinations-Management' gehören zwingend in das Lastenheft: Was soll geschehen, wenn die KI eine Antwort nicht weiß?
- Eindeutige Schnittstellen-Definitionen (z. B. zu ERP, CRM oder Helpdesk) verhindern teure Nachforderungen in der Umsetzungsphase.
Die 6 Pflichtkapitel eines KI-Chatbot-Lastenhefts
Orientieren Sie sich bei der Erstellung an folgender bewährter Struktur:
- 1. Ausgangssituation & Projektziel (z. B. 40 % Entlastung des 1st-Level-Supports, 24/7 Kundenbetreuung, strukturierte Vorqualifizierung von Leads).
- 2. Zielgruppen & Einsatzkanäle (Website-Widget, Kundenportal, MS Teams intern, WhatsApp oder Telefonie).
- 3. Wissensbasis & Datenquellen (PDFs, Handbücher, SharePoint, ERP-Katalog, FAQ-Listen, Aktualisierungsfrequenz).
- 4. Funktionale Anforderungen (Sprachen, RAG-Suche, Übergabe an menschliche Agenten / Human Handover, Ticket-Erstellung).
- 5. Nicht-funktionale Anforderungen (Reaktionszeiten < 2 Sek., DSGVO-Konformität, EU-Hosting, Rollen- & Rechtesystem).
- 6. Lieferumfang, Meilensteine & Abnahmekriterien (Proof of Concept, Testphase, SLA für Fehlerbehebung).
Datenschutz, DSGVO und EU AI Act im Lastenheft verankern
Besonders im B2B-Bereich in Deutschland sind Datenschutzvorgaben ein K.o.-Kriterium. Formulieren Sie im Lastenheft unmissverständlich:
Verlangen Sie den genauen Serverstandort (idealerweise Rechenzentren in Deutschland oder der EU), eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung (AVV) inklusive technischer und organisatorischer Maßnahmen (TOMs) sowie die vertragliche Zusicherung, dass Kundendaten nicht zum Training öffentlicher Modelle verwendet werden.
Häufige Fehler bei Chatbot-Ausschreibungen
Der häufigste Fehler: 'Der Bot soll alles wissen'. Je breiter das Thema, desto höher die Wahrscheinlichkeit unpräziser Antworten. Beginnen Sie mit einem klar umrissenen Bereich — z. B. 'Technische FAQs zu Produktlinie X' oder 'Vorqualifizierung von Support-Anfragen'.
Zweiter Fehler: Fehlende Abnahmekriterien. Definieren Sie vorab einen Testkatalog von 50 typischen Fragen (inklusive Fangfragen und unvollständigen Anfragen), anhand derer die Antwortqualität objektiv gemessen wird.
Häufige Fragen
- Das Lastenheft wird vom Auftraggeber formuliert und beschreibt, WAS das System leisten soll. Das Pflichtenheft wird vom Auftragnehmer ausgearbeitet und beschreibt im Detail, WIE die Anforderungen technisch umgesetzt werden.
- Ein erster funktionsfähiger Prototyp (PoC) auf Basis kuratierter Dokumente steht bei uns meist innerhalb von 10 bis 14 Tagen. Die vollständige Produktivsetzung inklusive Schnittstellen und Mitarbeiterschulung dauert typischerweise 4 bis 8 Wochen.