Das Wichtigste in Kürze
- Anvaigo EDI Connect bildet EDI vollständig innerhalb von Business Central ab — als Extension, ohne Eingriff in den Standard.
- Die Zuordnung von Feldern erfolgt über einen Mapping-Assistenten statt über Programmierung, weshalb der Hersteller von einer No-Code-Lösung spricht.
- Unterstützt werden unter anderem EDIFACT, X12, VDA, IDOC, xCML, XML, CSV und XRechnung.
- Als Übertragungswege stehen AS2, FTP, SFTP, HTTP und API-Schnittstellen zur Verfügung — ein externer EDI-Dienstleister ist damit nicht zwingend nötig.
- Hersteller ist die conion media GmbH aus Deutschland, deren Produkte unter der Marke Anvaigo über Partner vertrieben werden.
Warum EDI im Mittelstand meistens fremdbestimmt ist
EDI wird selten aus eigenem Antrieb eingeführt. In der Regel steht ein Kunde dahinter, der Bestellungen nur noch elektronisch schickt und Rechnungen nur noch elektronisch annimmt — und der das Format vorgibt, nicht Sie. Für ein Unternehmen mit fünf solchen Kunden bedeutet das fünf Formatvarianten, fünf Übertragungswege und fünf Ansprechpartner, die alle etwas anderes erwarten.
Daraus entstehen historisch zwei Wege. Der eine führt über einen externen EDI-Dienstleister, der die Formate übersetzt und Ihnen eine einheitliche Datei liefert — bequem, aber mit laufenden Transaktionskosten und einer weiteren Stelle, an der etwas hängen bleiben kann. Der andere führt über eigene Entwicklung im ERP, die zunächst günstiger wirkt und beim nächsten Upgrade zur Last wird.
Der dritte Weg ist eine Standard-Extension, die die Übersetzung selbst übernimmt und dabei im ERP bleibt. Genau dort setzt Anvaigo EDI Connect an.
Was die Extension konkret macht
Anvaigo EDI Connect ist eine Erweiterung für Microsoft Dynamics 365 Business Central und den Vorgänger Dynamics NAV. Sie liest eingehende Nachrichten ein, ordnet deren Felder den Tabellen und Feldern in Business Central zu, erzeugt daraus Belege — und umgekehrt für den Ausgang.
Der entscheidende Punkt für die Wartbarkeit ist die Art dieser Zuordnung. Sie wird nicht programmiert, sondern über einen Mapping-Assistenten eingerichtet. Wer das Format kennt, kann die Zuordnung pflegen, ohne AL zu schreiben; und weil nichts am Standardobjektbestand geändert wird, überstehen die Konfigurationen die halbjährlichen Release-Wellen.
Das ist auch der inhaltliche Kern der Aussage, ein EDI-Projekt lasse sich ohne Customizing umsetzen: Nicht weil EDI trivial wäre, sondern weil die Fachlogik in Konfiguration statt in Code liegt.
- Formate: EDIFACT, X12, VDA, IDOC, xCML, XML, Text/CSV und XRechnung
- Übertragung: AS2, FTP, SFTP, HTTP sowie API-Schnittstellen
- Ein- und ausgehende Nachrichten in derselben Oberfläche
- Läuft mit den Editionen Essentials und Premium
- Verfügbar für Business Central und Dynamics NAV
Woran EDI-Projekte trotzdem scheitern
Die Technik ist selten das Problem. Die Reibung entsteht bei den Stammdaten und bei den Absprachen. Ein EDI-Beleg wird maschinell geprüft, und was fehlt, fällt sofort auf — anders als bei einer PDF-Bestellung, die ein Mensch notfalls interpretiert.
Typische Stolpersteine sind Artikelnummern, die beim Kunden anders heißen als bei Ihnen, Mengeneinheiten in einer Codierung, die niemand geprüft hat, und Partner-Identifikatoren, die im Testbetrieb funktionieren und in der Produktion nicht. Wer die Zuordnungstabellen früh anlegt und mit echten Testnachrichten arbeitet, verkürzt die Einführungszeit erheblich.
Der zweite unterschätzte Punkt ist der Betrieb danach. EDI läuft, bis ein Kunde sein Format anpasst. Es lohnt sich, von Anfang an festzulegen, wer Fehlernachrichten sieht, wie schnell reagiert wird und wo Mappings dokumentiert sind.
Häufige Fragen
- Nicht zwingend. Weil die Extension die Formate selbst übersetzt und gängige Übertragungswege wie AS2, SFTP und API mitbringt, lässt sich der Austausch direkt zwischen Ihnen und dem Geschäftspartner abwickeln. Ein Dienstleister bleibt sinnvoll, wenn ein Partner ein bestimmtes Netzwerk vorschreibt oder Sie den Betrieb bewusst auslagern wollen.
- Dass die Anbindung über Konfiguration und Mappings entsteht statt über eigenen AL-Code im Standard. Aufwand fällt weiterhin an — Formate analysieren, Felder zuordnen, testen —, aber er landet in einer Einrichtung, die dokumentiert und upgrade-sicher ist, statt in Entwicklungsobjekten, die bei jeder Release-Welle geprüft werden müssen.
- Ja, der Hersteller unterstützt Business Central und Dynamics NAV. Wenn Sie ohnehin auf einer NAV-Version ohne aktiven Support arbeiten, ist ein EDI-Vorhaben allerdings ein guter Anlass, beides zusammen zu betrachten: Der Umstieg auf Business Central und die EDI-Anbindung greifen an denselben Stammdaten an.
- Das hängt fast vollständig davon ab, wie sauber die Vorgaben des Partners sind und wie gut Ihre Stammdaten dazu passen. Ein Partner mit klarer Spezifikation und gepflegten Artikelzuordnungen ist deutlich schneller angebunden als einer, dessen Format erst im Testbetrieb sichtbar wird. Der erste Partner dauert am längsten; jeder weitere profitiert von den bereits angelegten Mappings.