Das Wichtigste in Kürze
- Der Agent Designer ermöglicht es, eigene KI-Agenten in Business Central visuell zu erstellen — ohne AL-Programmierung.
- Sie definieren in natürlicher Sprache, was der Agent tun soll, welche Daten er nutzen darf und wann er eine menschliche Freigabe einholen muss.
- Die Erstellung erfolgt in einer Sandbox-Umgebung. Für den produktiven Einsatz kann der Prototyp in eine AL-Erweiterung überführt werden.
- Sie benötigen die Berechtigung AGENT-ADMIN zum Erstellen und AGENT-DIAGNOSTICS zur Überwachung und Fehlersuche.
- Der Agent Designer eignet sich für standardisierte Routineprozesse — für komplexe Geschäftslogik ist die AL-Entwicklung der bessere Weg.
Wie der Agent Designer funktioniert
Der Agent Designer bietet eine grafische Oberfläche, in der Sie einen KI-Agenten Schritt für Schritt konfigurieren. Sie beschreiben in natürlicher Sprache, was der Agent tun soll — zum Beispiel: 'Überwache ein E-Mail-Postfach. Wenn eine Reklamation eingeht, erstelle einen Serviceauftrag und weise ihn dem zuständigen Techniker zu.'
Anschließend definieren Sie die Leitplanken: Welche Tabellen darf der Agent lesen? Welche darf er beschreiben? Bei welchen Aktionen muss er eine menschliche Freigabe einholen? Diese Konfiguration bestimmt, wie autonom der Agent arbeitet.
Der Agent Designer erstellt daraus einen lauffähigen Prototyp, den Sie in einer Sandbox-Umgebung testen können. Für den produktiven Einsatz haben Sie zwei Optionen: den Agenten direkt nutzen (für einfache Szenarien) oder den Prototyp durch einen Entwickler in eine AL-Erweiterung überführen lassen (für robustere, wartbare Lösungen).
Einrichtung und Berechtigungen
Der Agent Designer setzt Business Central Online (Cloud) voraus und ist in einer Sandbox-Umgebung verfügbar. Sie benötigen zwei Berechtigungen: AGENT-ADMIN (ID 9665) zum Erstellen und Konfigurieren von Agenten sowie AGENT-DIAGNOSTICS zur Überwachung und Fehlersuche laufender Agenten.
Die Copilot-Abrechnung muss im Admin Center aktiviert sein, da die KI-Verarbeitung Copilot-Credits verbraucht. Die Menge hängt davon ab, wie häufig der Agent aktiv wird und wie komplex seine Aufgaben sind.
Praxisbeispiele: Was sich mit dem Agent Designer umsetzen lässt
Die Stärke des Agent Designers liegt in der schnellen Umsetzung von standardisierten Routineprozessen. Hier einige realistische Szenarien:
- Reklamationserfassung: Der Agent überwacht ein Service-Postfach, erkennt Reklamationen und erstellt automatisch Serviceaufträge mit Zuordnung zum betroffenen Debitor und Artikel.
- Bestandswarnung: Der Agent prüft regelmäßig die Lagerbestände definierter Artikel und erstellt bei Unterschreitung eines Schwellenwerts automatisch eine Einkaufsanfrage oder benachrichtigt den Einkauf.
- Lieferstatusprüfung: Der Agent beantwortet eingehende E-Mail-Anfragen von Kunden zum Lieferstatus, indem er den Auftrag in Business Central nachschlägt und eine Statusinfo per E-Mail zurücksendet.
- Mahnwesen-Unterstützung: Der Agent identifiziert überfällige offene Posten und erstellt Entwürfe für Zahlungserinnerungen, die der Sachbearbeiter vor dem Versand prüft.
Grenzen des Agent Designers
Der Agent Designer ist ein Rapid-Prototyping-Werkzeug, kein Ersatz für AL-Entwicklung. Er eignet sich für klare, regelbasierte Prozesse mit überschaubarer Komplexität. Wo liegen die Grenzen?
Komplexe Geschäftslogik — mehrstufige Genehmigungsprozesse, bedingte Berechnungen oder Integrationen mit Drittsystemen — übersteigt die Möglichkeiten des Designers. Hier ist die Überführung in eine AL-Erweiterung der richtige Weg.
Auch bei hohem Transaktionsvolumen oder zeitkritischen Prozessen empfehlen wir die AL-Variante: Sie ist performanter, besser testbar und lässt sich in CI/CD-Pipelines integrieren.
Ein weiterer Punkt: Agenten, die über den Designer erstellt werden, sind an die Sandbox-Umgebung gebunden, bis sie in eine Extension überführt werden. Für den produktiven Einsatz ist dieser Schritt fast immer sinnvoll.
Vom Prototyp zur produktionsreifen Extension
Der typische Weg ist: Prototyp im Designer erstellen, in der Sandbox validieren, dann durch einen AL-Entwickler in eine Extension überführen. In der Extension können Sie die Geschäftslogik verfeinern, Fehlerbehandlung ergänzen, Tests schreiben und den Agenten über die normale Extension-Verwaltung deployen.
Für Unternehmen ohne eigene AL-Entwickler ist das der Punkt, an dem ein Partner ins Spiel kommt. Der Vorteil: Der Prototyp aus dem Designer dient als lebende Spezifikation — der Entwickler sieht genau, was der Agent tun soll, statt eine abstrakte Anforderungsbeschreibung interpretieren zu müssen.
Häufige Fragen
- Nein. Der Agent Designer arbeitet mit natürlicher Sprache und einer grafischen Oberfläche. AL-Kenntnisse werden erst benötigt, wenn Sie den Prototyp in eine produktionsreife Extension überführen wollen.
- Technisch ja, aber jeder aktive Agent verbraucht Copilot-Credits. Die Kosten steigen mit der Anzahl der Agenten und der Häufigkeit ihrer Aktivitäten. Wir empfehlen, mit ein bis zwei Agenten zu starten und die Nutzung schrittweise auszuweiten.
- Nein. Der Agent Designer und alle KI-Agenten setzen Business Central Online (Cloud) voraus. On-Premises-Installationen können diese Funktion nicht nutzen.
- Die Agenten arbeiten innerhalb des Business-Central-Berechtigungsmodells. Sie können nur auf Daten zugreifen und Aktionen ausführen, die ihre Berechtigungssätze erlauben. Zusätzlich definieren Sie in den Leitplanken, bei welchen Aktionen eine menschliche Freigabe erforderlich ist.
- Ja. In der Sandbox-Umgebung können Sie Agenten jederzeit deaktivieren und löschen. Agenten, die bereits in eine AL-Extension überführt wurden, werden über die normale Extension-Verwaltung gesteuert.