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Business Central 2026 Wave 2 (v29): Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

Mit Business Central 2026 Wave 2 (Version 29, allgemeine Verfügbarkeit Oktober 2026) liefert Microsoft ein Update, das mehr als nur neue Funktionen enthält — es entfernt Funktionen, die seit Jahren als veraltet galten. Wer nicht vorbereitet ist, riskiert Ausfälle bei Schnittstellen. Wer vorbereitet ist, bekommt ein schnelleres, KI-fähigeres ERP.

Aktualisiert: 9 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • SOAP-Webservices für Microsoft-Standard-Seiten werden in v29 dauerhaft entfernt — betroffene Integrationen müssen vorher migriert werden.
  • Der neue Unified Copilot Chat vereint Business-Central-Daten, Websuche und allgemeines Wissen in einer Oberfläche.
  • Der MCP Server öffnet Business Central für externe KI-Tools wie Claude Desktop oder Copilot Studio.
  • Table Extensions speichern Felder jetzt in der Basistabelle statt in separaten Tabellen — das eliminiert SQL-Joins und verbessert die Performance erheblich.
  • Der Payables Agent kann jetzt Bestellzeilen mit Wareneingängen abgleichen und der Expense Agent erkennt doppelte Belege automatisch.

1. SOAP-Webservices: das Ende einer Ära

Die vielleicht folgenreichste Änderung in v29 ist keine neue Funktion, sondern eine Abschaltung: Microsoft entfernt die Möglichkeit, Standard-UI-Seiten als SOAP-Endpunkte zu veröffentlichen. Der Feature-Key, der dies bislang wieder aktivieren konnte, wird ebenfalls entfernt.

Für Unternehmen mit EDI-Anbindungen, Bankschnittstellen oder BI-Reporting über SOAP bedeutet das: Diese Integrationen funktionieren nach dem Upgrade nicht mehr. Der empfohlene Migrationspfad führt direkt zu den nativen Business Central APIs — nicht zu OData, das für Microsoft-Seiten ab v30 (2027) ebenfalls entfällt.

Prüfen Sie über das Telemetrie-Signal RT0053, ob Ihre Umgebung betroffen ist. Testen Sie in der v29-Sandbox. Und planen Sie den Entwicklungsaufwand jetzt ein, nicht nach dem Update.

2. Unified Copilot Chat: eine Oberfläche für alles

Copilot in Business Central bekommt eine grundlegend überarbeitete Oberfläche, die sich am Design von Microsoft 365 Copilot orientiert. Statt einzelner Copilot-Funktionen verteilt über verschiedene Seiten gibt es jetzt einen zentralen Chat-Zugang über ein neues Symbol in der App-Leiste.

Das Besondere: Der Chat integriert nicht nur Business-Central-Daten, sondern auch Websuche und allgemeines Wissen. Eine Frage wie 'Wie hat sich der Umsatz von Kunde Müller im Vergleich zum Vorjahr entwickelt und welche Markttrends gibt es in seiner Branche?' kann der Copilot jetzt in einer einzigen Antwort bedienen.

Benutzer mit einer zusätzlichen Microsoft Copilot-Lizenz erhalten Zugang zu erweiterten Funktionen wie Work IQ — der Möglichkeit, BC-Daten mit Informationen aus SharePoint, Teams und Outlook zu verknüpfen.

3. MCP Server: Business Central für externe KI öffnen

Business Central kann jetzt als MCP Server (Model Context Protocol) fungieren — ein offener Standard, über den externe KI-Agenten strukturiert auf ERP-Daten zugreifen. Egal ob Claude Desktop, Copilot Studio oder ein eigener Chatbot: Über MCP können diese Tools Kunden abfragen, Lagerbestände prüfen oder Aufträge anlegen.

Die Einrichtung erfolgt über die Funktionsverwaltung in Business Central. Sie definieren, welche API-Seiten als Tools verfügbar sind und welche Berechtigungen der KI-Agent hat. Das BC-Berechtigungsmodell gilt unverändert — es gibt keinen Sonderweg für KI-Zugriffe.

Für Unternehmen, die über die eingebauten Copilot-Funktionen hinaus eigene KI-Anwendungen mit ERP-Daten verbinden wollen, ist der MCP Server ein Wendepunkt: kein Custom Connector mehr nötig, kein manueller Datenexport.

4. Table Extensions: Performance-Sprung durch neues Datenmodell

Eine technische Änderung, die in der Praxis großen Unterschied macht: Felder aus Table Extensions werden jetzt in der Basistabelle gespeichert statt in separaten Datenbanktabellen. Das bedeutet: Die SQL-Joins, die bisher bei jeder Abfrage von erweiterten Tabellen notwendig waren, entfallen.

Für Unternehmen mit vielen installierten Extensions — was im Mittelstand die Regel ist — kann das spürbare Geschwindigkeitsverbesserungen bringen, besonders bei Reports, Listenseiten und API-Abfragen. Zusätzlich können Entwickler jetzt Indizes erstellen, die Felder aus der Basistabelle und aus Extensions kombinieren.

Für Entwickler gilt: Die Entwicklungsprinzipien bleiben gleich. Partial Records (SetLoadFields) sollten weiterhin konsequent eingesetzt werden, um nur die tatsächlich benötigten Felder zu laden.

5. Payables Agent und Expense Agent: intelligenter geworden

Die in Wave 1 eingeführten KI-Agenten werden in Wave 2 deutlich erweitert. Der Payables Agent kann jetzt Rechnungspositionen mit Bestellzeilen abgleichen — und zwar anhand von Beträgen und erwarteten Wareneingangsdaten. Das reduziert die manuelle Prüfung bei der Rechnungsfreigabe erheblich.

Der Expense Agent erkennt jetzt doppelte Belege automatisch, validiert Spesenabrechnungen gegen hinterlegte Richtlinien und unterstützt Kilometerabrechnungen mit konfigurierbaren Sätzen. Für Unternehmen mit hohem Reise- und Spesenaufkommen ein relevanter Fortschritt.

6. Peppol BIS 3 und Shopify B2B: Vertrieb und E-Rechnung

Für Unternehmen, die bereits mit der E-Rechnungspflicht arbeiten, bringt v29 erweiterte Unterstützung für den Peppol BIS 3 Standard bei E-Documents. Das vereinfacht den elektronischen Belegaustausch im europäischen Wirtschaftsraum.

Im E-Commerce-Bereich wird die Shopify-Integration um B2B-Funktionen erweitert. Unternehmen, die Shopify als B2B-Vertriebskanal nutzen, können jetzt kundenspezifische Preise und Konditionen direkt aus Business Central synchronisieren.

7. Fertigung: Produktionsaufträge direkt aus dem Planungsarbeitsblatt

Fertigungsunternehmen profitieren von einer lang gewünschten Vereinfachung: Freigegebene Produktionsaufträge können jetzt direkt aus dem Planungsarbeitsblatt erstellt werden, ohne den Umweg über geplante Aufträge. Dazu kommen verbesserte Arbeitsgangbeschreibungen für Fremdarbeitsgänge und automatische Qualitätsprüfungsmengen.

Für mittelständische Fertigungsunternehmen mit Fremdbearbeitung ist das eine spürbare Prozessvereinfachung — weniger Klicks, weniger Fehlerquellen, schnellerer Durchlauf.

Was Sie jetzt tun sollten

Prüfen Sie zuerst, ob SOAP-Integrationen in Ihrer Umgebung aktiv sind — das ist die einzige Änderung in v29, die zu Ausfällen führen kann. Nutzen Sie dafür das Telemetrie-Signal RT0053 oder die manuelle Prüfung über die Webservices-Seite.

Erstellen Sie eine v29-Sandbox und testen Sie Ihre Extensions und Integrationen. Besonders wenn Sie viele Table Extensions nutzen, lohnt ein Performance-Vergleich mit dem neuen Datenmodell.

Planen Sie die Copilot-Einführung strategisch: Der Unified Copilot Chat und der MCP Server eröffnen neue Möglichkeiten, aber sie setzen saubere Stammdaten und eine durchdachte Berechtigungsstruktur voraus.

Häufige Fragen

Wann wird Business Central 2026 Wave 2 veröffentlicht?
Die allgemeine Verfügbarkeit von Version 29 ist für die erste Oktoberwoche 2026 geplant. Die Public Preview ist seit September 2026 in Sandbox-Umgebungen verfügbar.
Muss ich nach dem Update auf v29 etwas tun?
Wenn Sie SOAP-Webservices auf Microsoft-Standard-Seiten nutzen, müssen Sie vor dem Update auf Native APIs migrieren — sonst funktionieren diese Integrationen nicht mehr. Alle anderen Neuerungen sind optional und können schrittweise eingeführt werden.
Brauche ich eine zusätzliche Lizenz für den neuen Copilot Chat?
Der grundlegende Copilot Chat ist in der Business-Central-Lizenz enthalten und nutzt Copilot-Credits. Für erweiterte Funktionen wie Work IQ — die Verknüpfung von BC-Daten mit SharePoint, Teams und Outlook — ist eine zusätzliche Microsoft Copilot-Lizenz erforderlich.
Betrifft das neue Table-Extension-Datenmodell meine bestehenden Extensions?
Die Umstellung erfolgt automatisch und transparent. Ihre bestehenden Extensions funktionieren ohne Anpassung. Sie können aber von der verbesserten Performance profitieren — besonders bei Reports und Listenseiten mit vielen Extension-Feldern.
Ist Business Central 2026 Wave 2 auch On-Premises verfügbar?
Die Platform-Updates (Performance, AL-Verbesserungen) sind auch On-Premises verfügbar. Die KI-Funktionen — Copilot Chat, MCP Server, Agenten-Erweiterungen — setzen Business Central Online (Cloud) voraus.

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